Vorstellungsgespräch 4: Die Fragen des Personalentscheiders

In dieser vierten Fortsetzung zum Leitartikel ‚Das Vorstellungsgespräch – Ihre Vorbereitung‘ widmen wir uns den Fragen, auf die Sie sich vorbereiten sollten. Jeder Personalentscheider hat seine „Lieblingsfragen“, doch oft ähneln sich die Themen, die in Vorstellungsgesprächen abgefragt werden. Sie können sich mit diesen Frage-Beispielen gut auf Ihr Vorstellungsgespräch vorbereiten.
Einige Fragen werden so oder ähnlich gestellt:

„Was interessiert Sie an unserem Unternehmen?“

Bereits in der ersten Bewerbungsphase haben Sie sich mit dem Unternehmen beschäftigt. Was begeistert Sie an dem Unternehmen?  Warum möchten Sie dort arbeiten. Gefällt Ihnen das Produkt, die Branche, der Standort, das Leitbild, die Führungskultur, die Karrierechancen? Und was genau gefällt Ihnen daran? Was ist es, was das Unternehmen als möglicher Arbeitgeber besonders attraktiv für Sie macht?

„Was wissen Sie bereits über unser Unternehmen?“

Nun müssen Sie nicht alle Homepage-Inhalte auswendig wiedergeben. Sie sollten die Informationen zur Historie, zur Branchenpräsenz, zur Produktpalette, zur internationalen Ausrichtung, etc. kennen. Hieraus hat sich Ihre Einstellung zum Unternehmen entwickelt und Sie können äußern, was Sie beeindruckt und interessiert hat. Und an dieser Stelle können Sie dann auch Fragen zum Unternehmen stellen, die in der Vorbereitung auf das Gespräch entstanden sind.

„Was haben Sie in der Zeit von … bis … gemacht?“ (Lücke im Werdegang?)

Sollten Sie trotz aller Vorbereitung dennoch Lücken in Ihrem Werdegang haben oder sich nur allgemein geäußert haben („Familienzeit“), können Sie jetzt die Situation schildern, in der sie waren. Hier kommt es auf Ihre Haltung zu diesem Zeitraum an. Sind Sie im Reinen mit sich? Auch wenn die Zeit zunächst vielleicht unglücklich erzwungenermaßen entstand, können Sie letztlich eine selbstbewusste Einstellung dazu gewinnen. Was waren Ihre Motive? Welche Erfahrungen konnten Sie machen?

„Warum sind Sie an der ausgeschriebenen Position interessiert?“

Schildern Sie Ihr Motiv. Und bedenken Sie bei der Vorbereitung, was von meist mehreren Motiven für den Personalentscheider von Interesse ist.

„Warum sollte ich Sie einstellen?“

Hier entwerfen Sie ein Bild, wie Sie die Stelle ausfüllen werden. Schildern Sie Ihre fachlichen und Ihre menschlichen Kompetenzen in Bezug auf die Aufgabe.

„Was sind für Sie die Erfolgsfaktoren der Position? Wie werden Sie Ihre Ziele erreichen?“

Hier greifen Sie auf Ihre Erfahrung zurück. Wie haben Sie frühere Herausforderungen gemeistert? Was sind Ihre persönlichen Erfolgsfaktoren?

„Warum möchten Sie Ihren derzeitigen Arbeitgeber verlassen?“

Lassen Sie sich nun nicht dazu hinreißen schlecht über Ihren Arbeitgeber zu sprechen. Selbst wenn es einen Konflikt gibt, ist das nicht der richtige Raum, diesen darzustellen. Vielmehr muss Ihr Motiv für den Wechseln in der Zukunft liegen. Wo wollen Sie hin? An Ihrem Ziel zeigt sich Ihr Motiv für den Wechsel.

„Beschreiben Sie Ihr Verhältnis zu Ihrem jetzigen Vorgesetzten.“

Jede Beziehung hat schöne und schwierige Aspekte. Legen Sie den Schwerpunkt auf die positiven Aspekte. Wenn die Beziehung zu Ihrem jetzigen Chef eher kritisch ist, erarbeiten Sie sich eine wertschätzende Haltung zu seinen persönlichen und beruflichen Stärken.

„Was streben Sie langfristig beruflich an?“

Hierauf müssen Sie vorbereitet sein! Sie sollten zumindest wissen, was Ihnen für die nächsten 5 Jahre wichtig ist.

„Wie erleben Sie mich als Gesprächspartner?“

Nehmen Sie Ihren Gesprächspartner von Anfang an bewusst wahr. Wie führt er das Gespräch? Was erscheint ihm wichtig?  Nicht nur im Falle dieser Frage, sondern auch für Ihre spätere Reflexion zum Gespräch hilft Ihnen die Wahrnehmung des anderen bei Ihrer Entscheidungsfindung.

„Wie beschreiben Sie Ihren Arbeitsstil / Ihren Führungsstil?“

Wie gut kennen Sie sich? Wissen Sie, warum Sie die Dinge in der bestimmten Art und Weise tun? Können Sie dies schildern?

„Wann haben Sie sich zuletzt über eine Vorschrift hinweggesetzt?“

Gibt es hierzu Beispiele in Ihrer Vergangenheit? Was war Ihr Motiv dafür?

„Was verstehen Sie unter Teamarbeit / Kooperation?“

Auch auf diese Frage sollten Sie gut vorbereitet sein. Schildern Sie ggf. an Beispielen aus Ihrer Erfahrung, was Sie zu einer guten Teamarbeit beitragen.

„Was bezeichnen Sie als Ihre Stärken? Ihre Schwäche?“

Wie gut kennen Sie sich selbst? Ggf. fragen Sie Freunde, Familie, frühere Kollegen zu deren Eindruck. Verzichten Sie auf Standard-Antworten, die eine vermeintliche Schwäche nennt und eine beruflichen Nutzen impliziert. Beispiel: „Ich bin ungeduldig.“

„Was ist Ihr größter Fehler?  Und wie gehen Sie damit um?“

Jeder Mensch hat unsympathische Seiten, Themen an den er scheitert, Situationen die er nicht so gut meistern kann. Seien Sie ehrlich zu sich selbst, dann können Sie schildern, wie Sie mit Ihrer Schwäche konstruktiv umgehen.

„Was war Ihr größter Erfolg? Ihr größtes Scheitern?“

Auch hier wieder die Reflexion: Sind Sie mit Ihrer Biografie im Reinen? Können Sie Ihren Erfolg feiern? Konnten Sie Ihr Scheitern akzeptieren?

„Welche Rolle spielt Geld in Ihrem Leben?“

In unserer Gesellschaft spiegelt Geld den Wert einer Sache. Überprüfen Sie Ihre Einstellung zum Geld.

„Was würden Sie an Ihrem Lebenslauf verändern, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?“

Gibt es etwas, das Sie gerne anders gemacht hätten? Aus welchem Motiv heraus?

„Wie gehen Sie mit Kritik um?“

Wie reagieren Sie, wenn Sie kritisiert werden? Sind Sie sich Ihrer selbst bewusst?

„Welches Buch lesen Sie gerade?  Welches Buch hat Ihr Leben beeinflusst?“

Erinnern Sie sich an etwas, dass Ihre Haltung, Ihre Werte, Ihre Ethik oder Ihre Art der Beziehungsgestaltung beeinflusst hat. Wenn es kein Buch war, dann vielleicht ein Film, ein Zitat oder eine besondere Begegnung.

„Was ist das Verrückteste, was Sie je gemacht haben?“

Was haben Sie in Ihrem Leben getan, was ungewöhnlich für Sie ist?

Wenn Sie bei der Vorbereitung Schwierigkeiten mit der ein oder anderen Frage haben, sprechen Sie mit erfahreneren Freunden darüber. Auch im Bewerbungs-Coaching bzw. im Vorstellungstraining können Sie sich gezielt auf bestimmte Fragenbereiche vorbereiten.

Es gibt Personalentscheider, die einen provozierenden Gesprächsstil bevorzugen und Stressinterviews führen. Einige der o.a. Fragen entstammen dem provokanten Gesprächsstil. Achten Sie gut auf Ihre Grenzen. Es gibt provozierende Fragen, die wir mit Humor und Gelassenheit nehmen können. Manchmal werden aber auch persönliche Grenzen überschritten. Dann sollten Sie dass auch ganz direkt ansprechen. Auch gilt es zu entscheiden, ob Sie in einer solchen Unternehmenskultur arbeiten möchten. Wenn das für Sie nicht in Frage kommt, dürfen Sie das Gespräch höflich beenden. Wenn eine provokant-fordernde Kultur für Sie eine interessante Herausforderung darstellt, sollten Sie möglichst sachlich und gelassen, ggf. auch mit Humor auf provozierende Fragen reagieren können. Konzentrieren Sie sich dann inhaltlich auf die Sachebene.