Vorstellungsgespräch 3: Die optimale Vorbereitung!

In dieser dritten Fortsetzung zum Leitartikel ‚Das Vorstellungsgespräch – Ihre Vorbereitung‘ vertiefen wir die Aspekte Ihrer persönlichen Vorbereitung, durch die Sie Ihre Selbstwirksamkeit stärken. Und zwar ganz unabhängig von den äußeren Bedingungen der aktuellen Situation.

Ihre Vita: Eine gute Story!

Sie müssen (!) Ihren Lebenslauf kennen. Erstens in dem Sinne, dass Sie genau wissen, wann Sie wo mit welchen Aufgaben tätig waren. Es wirkt nachteilig, wenn Sie bei der Schilderung Ihres Werdegangs in Ihren Unterlagen nachsehen müssen oder Ihre Schilderungen sogar von dem vorliegenden Lebenslauf abweichen.

Was jedoch noch wichtiger ist: Ihr Werdegang sollte eine gute – nämlich Ihre Geschichte sein!
Wenn Sie den Roten Faden Ihres Berufsganges darstellen können, bleiben Sie – egal welchen Verlauf das Gespräch nimmt – selbstbewusst im Kontakt mit Ihren Ressourcen. Nun werden Sie vielleicht einwenden, dass es Lebensläufe gibt, die keinen kontinuierlichen Weg aufzeigen. Aus meiner Coaching-Praxis kann ich Ihnen versichern, dass sich zu 90% der Biografien ein übergeordnetes Thema findet, das den Werdegang ‚rund‘ macht. Ich gebe jedoch zu, dass es manchmal eine tiefere Auseinandersetzung und die professionelle Begleitung braucht.

Wenn Sie innerlich mit Ihrem Werdegang verbunden sind und wissen, welche Motivation und welche Erfahrungen zu den einzelnen Stationen geführt haben, werden Sie selbstsicherer und überzeugender auftreten.

Meine Empfehlung:

  • Schreiben Sie zunächst Ihre berufliche Lebensgeschichte auf, so wie Sie diese anhand Ihres Werdeganges erinnern.
  • Zu dieser Geschichte gehören Ihre Erwartungen und Ängste, Ihre Ziele und Vorstellungen, ggf. Ihre persönlichen Umstände, Ihre Erfolge und Ihr Scheitern. Ergänzen Sie nun alle Stationen Ihre Lebensgeschichte um diese inneren Erlebnisse. Schreiben Sie alles auf, ganz ungeschönt, wie Sie es empfunden und erlebt haben. Was waren zu jener Zeit Ihre Wünsche, Ihre Vorstellungen von der Zukunft, Ihre Befürchtungen, Ihre Motive, Ihre Wertvorstellungen? Welches innere Erleben hat zu dieser und jener Entscheidung geführt?
  • Diesen nächsten Schritt empfehle ich nur Menschen ab 30.-35.Lebensjahr. Hier beschäftigen Sie sich tiefer mit den kritischen Punkten in Ihrem Leben. Wo sind Sie gescheitert, Ihren Schwächen erlegen? Wo waren Sie zu ängstlich, feige oder zu hochmütig, ungerecht? Was sind Sie sich schuldig geblieben? Gehen Sie mit sich selbst ins Gericht und schreiben Sie alles auf.
  • Und nun nehmen Sie innerlich die Position eines Freundes oder Beraters ein. Ich gebe zu, dies ist keine leichte Aufgabe und es ist zu empfehlen, dass Sie sich Unterstützung dabei suchen. Aus dieser wohlwollenden Haltung heraus erarbeiten Sie die Ressourcen, die sich aus den schwierigen Situationen entwickelt haben. Dieser Schritt ist besonders wichtig! Das Ergebnis wird sein, dass Sie sich positiv mit Ihrer Biografie verbinden. Versöhnen Sie sich mit Ihrem Werdegang. So finden Sie zu  einem weiteren Blickwinkel.

Für die Arbeit an „Mein Werdegang – eine gute Story“  sollten Sie sich ausreichend Zeit nehmen. Meine Empfehlung: Beschäftigen Sie sich über 4 – 6 Wochen jeden Tag mind. 15 Minuten mit Ihrem Werdegang.  Lassen Sie das Geschriebene wirken und ergänzen Sie immer wieder auftauchende Erkenntnisse. Sie werden feststellen, wie dies zu einem bereichernden, kreativen Prozess führt. Ihr Werdegang wird eine gute Geschichte und Sie werden erstaunt sein, wie in Ihnen das gute Gefühl eines stabileren Selbstbewusstseins entsteht.

Aber Achtung! Diese Selbst-Arbeit kann auch eine Krise auslösen. Suchen Sie sich im Zweifel unbedingt Unterstützung!

Wissen Sie, was Sie wollen?

Wir sind bewusst oder unbewusst die Gestalter unseres Lebens! Ganz allgemein gibt es uns Kraft und Durchhaltevermögen, wenn wir wissen warum wir etwas tun.
Und speziell zu unserem Thema: Warum haben Sie sich auf diese Position bei diesem Unternehmen beworben?

Die Antwort auf diese Frage müssen Sie sich vor dem Gesprächstermin bewusst gemacht haben.
Schauen Sie sich dazu noch einmal die Stellenausschreibung und Ihre Bewerbungsunterlagen an. Was hat Sie angesprochen? Welche Hoffnungen und Wünsche verbinden Sie mit diesem Schritt? Wie passt dieses Unternehmen zu Ihrem beruflichen Ziel?

Auch sollten Sie eine klare Aussage zu Ihren Bedürfnissen bzgl. der Rahmenbedingungen machen können. Wie sind Ihre jetzigen Konditionen? (Monatsgehalt, Jahresgehalt, Provisionen, PKW). Welches Einkommen streben Sie an und wie argumentieren Sie Ihre Vorstellungen? Entsprechen Ihre Vorstellungen den Spielregeln des Marktes?

Was wissen Sie über das Unternehmen?

Durch Prospektmaterial, Presseberichte, Internet, Fachzeitschriften der betreffenden Branche und Hinweise aus Ihrem sozialen Netzwerk können Sie einen Eindruck über die Firmenphilosophie, die Marktpräsenz, die Unternehmensziele, u.v.m. gewinnen. Wie passen diese Eindrücke zu Ihrer beruflichen Ausrichtung? Womit möchten Sie sich verbinden?
Die Fragen, die sich für Sie aus den Vorinformationen ergeben, können Sie im Vorstellungsgespräch klären.
Denken Sie darüber nach, inwieweit dieses Unternehmen den Nährboden für den optimalen Einsatz Ihrer Fähigkeiten bietet.

Was haben Sie zu bieten?

Jeder Mensch hat viele Eigenschaften und Fähigkeiten. Welche Ihrer Fähigkeiten sind für das Unternehmen interessant?
Welche Ihrer beruflichen Erfahrungen sind besonders wertvoll für die ausgeschriebene Position?
Welche Ihrer menschlichen Fähigkeiten sind für die Aufgabe von Vorteil?

Um bei dem im Leitartikel erwähnten Vergleich zu bleiben: Eine Produktpräsentation stimmen wir auf die Bedürfnisse unserer Zielgruppe ab. Machen Sie sich bewusst, welche Ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse für „Ihre Zielgruppe“ möglicherweise besonders interessant sind.

Anreisen und Ankommen

Gerade das Ankommen hat etwas mit Selbstfürsorge zu tun.
Planen Sie die Anreise so, dass Sie pünktlich und entspannt zu dem vereinbarten Termin erscheinen. Evtl. müssen Sie bereits einen Tag vorher anreisen und vor Ort übernachten. Achten Sie darauf, ausgeruht und zufrieden zu sein. Wenn Sie sehr unter Lampenfieber leiden, kann folgendes helfen:

  • Rufen Sie einen Freund an, bei dem Sie sich frei aussprechen können, der Ihnen Mut macht…
  • Körperliche Aktivität setzt gestaute Energien frei. Eine Runde Laufen, Schwimmen, Radfahren, mit dem Hund raus gehen … was tut Ihnen besonders gut?
  • Lesen Sie Ihre Story und verbinden Sie sich mit den Kräften Ihrer Biografie
  • Bewusstes Atmen, Meditation, Yoga, Entspannungsübungen

Planen Sie das entspannte Ankommen mit ein!

Generalprobe

Besonders wenn Sie seit längerer Zeit kein Vorstellungsgespräch geführt haben, sollten Sie einige Tage vorher eine Generalprobe machen. Entweder professionell im Vorstellungstraining mit einem Coach oder mit einem vertrauten Menschen.

Erzählen Sie dem anderen ihren Werdegang. Sprechen Sie auch über die Motivation für Ihre Bewerbung, über Ihre Stärken und Schwächen. Sie werden feststellen, was gut läuft und wann Sie ins Stocken geraten, welche Worte sich manchmal unbewusst einschleichen.

„Übung macht den Meister.“ Machen Sie die Generalprobe!

Meiner Erfahrung nach, wird sich der richtige Weg leichter eröffnen, wenn wir im Einklang mit unserem gelebten Leben sind und wir einen freundlichen Kontakt mit uns selbst pflegen.

Im nächsten Teil dieser Artikelreihe widmen wir uns dem Thema Fragen – Ihren Fragen und denen des Personalentscheiders.